JesusLEBT-Andacht |
Das Volk Gottes erwartete ja bereits den Messias. Und doch wurden sie von ihm überrascht. Jesus ist da, aber viele merken gar nicht, was in diesen Jahren passiert. Sie schlafen, gehen anderen Beschäftigungen nach und verpassen Gott. Sie wachen nicht. Sie erwarten nicht die Ankunft Gottes, der bereits unter ihnen ist. Als am 19. November die deutsch-deutsche Mauer fiel, waren die Menschen auf den Beinen und einer jubelte: "Wer jetzt schläft, der ist tot." Gott selbst lebt unter den Menschen. Wer ihn verpasst, verpasst das Leben. Darum ließen die Jünger alles stehen und liegen und folgten Jesus nach. Denn darauf haben sie gewartet (vgl. Lk 7,19, Lk 2,25, Joh 1,45 etc.).
Auch heute erwarten Christen die Wiederkunft Gottes. Die ersten Christen erwarteten wohl die schnelle Rückkehr von Jesus, teilweise noch zu ihren Lebzeiten. Es wurde darüber geredet, ob es sich noch lohnt zu heiraten und wie man die kurze Zeit am sinnvollsten verbringen kann. Doch Jesus kam nicht. Seit über zweitausend Jahren warten die Christen und inzwischen rechnen die wenigsten mit der Rückkehr Gottes zu ihren Lebzeiten. Statt zu warten haben wir uns eingerichtet und Jesus kann sich ruhig Zeit lassen, falls er überhaupt noch kommt.
Das Gewand des Knechtes ging bis zu den Füßen. Wenn nun der Knecht in Eile ist, zieht er das Gewand nach oben und befestigt es am Gürtel, um schneller arbeiten zu können. Alles soll fertig sein, wenn der Herr kommt. Die Lampen brennen, der Knecht bleibt wach. Er will bereit sein, wenn der Herr zurückkommt. Doch der Herr kommt nicht in der ersten Nachtwache. Es wird sehr spät und der Knecht überlegt, ob der Herr diese Nacht noch kommt. Vielleicht in der vierten Nachtwache, im Morgengrauen. Dann kann sich der Knecht aber erstmal zur Ruhe begeben. Doch der Herr kommt in der zweiten oder dritten Nachtwache, wenn ihn keiner erwartet. Wir wissen nicht wann Jesus wiederkommt. Wir glauben vielleicht, dass es erst in ein paar hundert oder tausend Jahren ist, aber es kann auch jetzt sein.
Was für die Menschheit gilt, das gilt für jeden einzelnen von uns in gleicher Weise. Wir wissen nicht, wann wir Gott gegenüberstehen werden. Vielleicht sind wir noch jung und unterschätzen, wie lange ein Leben dauern kann. Vielleicht haben wir uns aber auch schon so an das Leben gewöhnt, dass wir glauben noch viel Zeit zu haben. Aber wir wissen nicht, wann es soweit ist. Und so betet der Psalmist zu Gott:
Ps 90,12 Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden.
Ob nun als Einzelner oder als ganze Menschheit: Lasst uns auf wach bleiben und auf Gott warten. Denn er wurde für uns zum Knecht, er gürtet sich und lässt uns zu sich kommen. Er bedient uns und wir dürfen mit ihm feiern. Glückselig sind wir, wenn wir wach bleiben und auf Gott warten.
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