Lk 11,4 und vergib uns unsre Sünden; denn auch wir vergeben allen, die an uns schuldig werden.
Das Vaterunser setzt einiges voraus. Nicht nur, daß wir mit Gott versöhnt sind - ihn Vater nennen - sondern auch, daß unser Leben davon geprägt wird. Paradoxerweise sind es oft gerade die "Evangelikalen", die krampfhaft versuchen, Werke vom Glauben zu trennen. Dabei führt Jesus, wenn es darum geht wer in "den Himmel" kommt, in den Evangelien öfter Werke als Glauben an. Aber bei ihm sind Glaube und Werke nicht getrennt. Wer glaubt, handelt nach seinem Glauben.
Ein Kind steht im Fensterrahmen eines brennenden Hauses. Unten ruft der Vater: "Spring, ich fange dich auf!" Das Kind könnte nun überlegen, ob es wirklich springen muß, oder ob es nicht genügt zu glauben, daß der Vater es auffangen würde. Aber wenn das Kind dem Vater wirklich vertraut, wird es springen. Natürlich springen auch Menschen aus brennenden Häusern, selbst wenn sie nicht daran glauben, daß sie jemand auffängt. Viele Versuche sind gut gemeint, aber viele schlagen auch hart auf. Die Werke retten nicht. Aber ein Glaube ohne Werke ist ein bloßes Lippenbekenntnis. Wer Schuld als sein größtes Problem erkannt hat, wird anderen gerne diese Last so weit wie möglich ersparen. Dennoch ist Sünde weit mehr als nur Schuld. Sie ist die Trennung von Gott. Nur Gott kann diese Trennung überwinden. Der Beter tut alles ihm mögliche um den Frieden wieder herzustellen. Und er bittet auch nicht alleine, sondern mit allen, die so leben, daß Gott das für uns unmögliche tut und uns mit ihm versöhnt. Der ehrliche Wunsch nach Versöhnung führt schon im Vorfeld dazu, daß man selbst jedem vergibt.
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