Lk 11,1 Und es geschah, als er an einem Ort war und betete, da sprach, als er aufhörte, einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte!
Lk 11,2 Er sprach aber zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, geheiligt werde dein Name;
Wie redet man eigentlich mit Gott? Das "Vater-unser" als Antwort ist sehr bekannt geworden. Lukas gibt es hier in einer Kurzversion wieder.
Zunächst wird Gott angesprochen. Das klingt banal, unterscheidet aber Beten wesentlich von Beschwörungen oder Zauberformeln. Beten setzt Gott als gegenüber voraus, eine Person, die uns zuhört. Gott wird Vater genannt. Diese Anrede ist richtungsweisend für das weitere Gespräch. Mit einem Vater kann man im Allgemeinen anders reden, als mit einem Vorgesetzten, einem Fremden oder gar einem feindlich gesinnten. "Vater" setzt eine Beziehung voraus, die auch tatsächlich bestehen soll. Manch einem mag das Wort "Vater" aufstoßen, wenn er an die Beziehung zu seinem leiblichen "Vater" denkt. Sowohl die Beziehung zu Gott, als auch die Beziehung zu den Eltern ist leider oft so gestört, daß ein von Vertrauen und Annahme geprägtes Gespräch nicht zustande kommt. Wie die Beziehung zum Vater, in diesem Fall zu Gott, gemeint ist, zeigt der erste Wunsch: "..., geheiligt werde dein Name;"
Der erste Wunsch des Beters ist es, das gut über Gott geredet wird. Damit sind nicht die ein oder anderen peinlichen Augenblicke bei einer Beerdigungsrede gemeint, in denen auffällt, daß man nachhelfen mußte, den Verstorbenen in ein gutes Licht zu stellen. Denn anders als vielleicht bei dem ein oder anderen biologischen Vater kennen viele Gott zu wenig und können nur deshalb so wenig Gutes über ihn sagen. Sicher aber kennen wir das Gefühl, daß wir rot sehen, wenn jemand schlecht über einen Menschen redet der uns viel bedeutet. Wenn wir verstehen, was Gott für uns tut, ist es schwer damit zu leben, daß viele ihn auch nur ignorieren.
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