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JesusLEBT-Andacht

Lk 12,11 Wenn sie euch aber vor die Synagogen und die Obrigkeiten und die Machthaber führen, so sorgt nicht, wie oder womit ihr euch verantworten oder was ihr sagen sollt!
Lk 12,12 Denn der Heilige Geist wird euch in jener Stunde lehren, was ihr sagen sollt.


Jesus spricht seinen Jüngern den Heiligen Geist zu, wenn sie angeklagt werden. Aber warum sollten sie angeklagt werden? Und von wem?

Es ist schon erstaunlich, dass sich die Jünger für eine frohe Botschaft rechtfertigen müssen. Eine Botschaft, die nicht zum Krieg aufruft, sondern zum Frieden, die nicht nach Rache schreit, sondern Vergebung anbietet, eine Botschaft, die helfen und Mut machen soll. Wieso muss man sich für solch eine Botschaft anklagen lassen?

Zuerst werden als Ankläger nicht die weltlichen Institutionen genannt, sondern die Kirche. Eine Kirche, die ebenfalls das Heil anbietet und sich diese Kompetenz nicht streitig machen lassen will. Und tatsächlich passte es später den Kirchenführern (Apostelgeschichte) nicht, dass ungebildete, nicht autorisierte Laien das Evangelium verkünden und sich dabei auf Gott berufen. Wer den Menschen das Heil zusprechen oder es ihnen entziehen kann, hat Macht über sie. Und von dieser Macht bleibt nichts, wenn den Menschen das Heil geschenkt wird. Denn hier wird deutlich, dass kein Mensch, keine Institution, Gruppe oder Lehre das recht hat, andere zu erlösen oder zu verdammen. Dieses Recht hat nur Gott.

Die zweiten Ankläger sind weltliche Autoritäten - eben weil sie Autoritäten sind. Solange Christen brave Untertanen sind, gibt es keinen Grund sie zu verfolgen. Aber was, wenn irgendwann Gottes Autorität gegen die Autorität des Staates steht? Und wenn dann Christen verkünden "Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen" (Apostelgeschichte 5,29)? Dieses Problem tritt solange nicht auf, wie ein Staat zumindest keine Auflagen schafft, die dem Glauben entgegenstehen. Aber in dem Maße, in dem ein Staat säkularisiert oder gar in eine ethische Beliebigkeit gerät, wächst die Gefahr, dass er bewusst oder unbewusst Vorgaben macht, die mit dem Glauben einzelner Bürger nicht mehr vereinbar sind. In der Rückschau haben gerade die Christen, die sich im dritten Reich gegen den Staat entschieden haben, die richtige Wahl getroffen. Trotzdem kann kein System dulden, wenn sich Einzelne über die staatliche Autorität hinweg setzen.

So verständlich es für beide Gruppen ist, sich über die Autorität Gottes hinwegsetzen zu wollen, so unmöglich erweist es sich aber in der Praxis. Denn die, die angeklagt werden, handeln nicht aus eigenem Antrieb, sondern aus Gehorsam gegenüber Gott. Und wer sie dafür anklagt, klagt Gott selbst an.

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