Lk 9,37 Es geschah aber am folgenden Tag, als sie von dem Berg herabgestiegen
waren, da kam ihm eine große Volksmenge entgegen.
Lk 9,38 Und siehe, ein Mann aus der Volksmenge rief laut und sprach:
Lehrer, ich bitte dich, blicke hin auf meinen Sohn, denn er ist mein einziger;
Lk 9,39 und siehe, ein Geist ergreift ihn, und plötzlich schreit
er, und er zerrt ihn unter Schäumen, und kaum einmal läßt
er von ihm ab, er reibt ihn auf.
Lk 9,40 Und ich bat deine Jünger, daß sie ihn austreiben
möchten, und sie konnten es nicht.
Lk 9,41 Jesus aber antwortete und sprach: O ungläubiges und verkehrtes
Geschlecht, bis wann soll ich bei euch sein und euch ertragen? Bring deinen
Sohn her!
Lk 9,42 Aber noch während er herbeikam, warf ihn der Dämon
nieder und zerrte ihn zusammen. Jesus aber bedrohte den unreinen Geist
und heilte den Jungen und gab ihn seinem Vater zurück.
Hatten die Jünger nicht von Jesus die Macht, Dämonen auszutreiben
und Krankheiten zu heilen? Als sie von der Aussendung in das umliegende
Land zurückkehrten, waren sie begeistert von all dem, was sie tun
konnten. Und während zwei der Jünger sogar ein kleines Stück
von Jesus in der Herrlichkeit Gottes sahen, kämpften die anderen gegen
einen Dämon und "wurden ihm nicht Herr". Wie kann das sein?
Ich stellte diese Frage einmal in einem etwas anderen Zusammenhang
Adrian Plass nach einer Lesung. Er erzählte uns von zwei Jennys. Die
eine saß im Rollstuhl. Es wurde für sie gebetet und Gott heilte
sie so, daß sie schlagartig aufstehen und laufen konnte. Die andere
Jenny wurde von Depressionen geplagt. Viele beteten für sie, aber
es half nicht. Eines Tages nahm sie sich das Leben. Sicher fühlt man
sich bei der Wunderheilung wohler, aber man darf die andere Jenny nicht
verschweigen. Die Jünger konnten nicht einfach auf dem Berg fernab
von der Welt bleiben. Sie mußten wieder hinunter in die traurigen
Wirklichkeit unseres Lebens. Jesus begleitete sie.
Warum konnten die Jünger das Kind nicht heilen? Warum konnte niemand
Jenny helfen? "Und ich bat deine Jünger, daß sie ihn austreiben
möchten, und sie konnten es nicht." Was soll man nun von den Christen
halten? Was halten wir selbst vom Gebet? Hilft es nicht? Leicht könnte
man Gott die Schuld an dem traurigen Ende Jennys geben. Unser Text spricht
eine andere Sprache: "O ungläubiges und verkehrtes Geschlecht, bis
wann soll ich bei euch sein und euch ertragen?"
Es ist unser Armutszeugnis. Es ist unser Unglaube und unsere Verkehrtheit.
Jesus heilt den Jungen und gibt ihn seinem Vater zurück. Warum haben
die Jünger das nicht getan? Warum tun wir es nicht? Weil auch wir
es oft nicht können. Uns fehlt vielleicht der Glaube, wir sind selbst
verstrickt und kommen meist selbst kaum klar. Wir werden immer wieder schuldig
und der Kontakt zu Jesus leidet. Und die, die das scheitern sehen, hören
nicht selten auch auf zu glauben. Es ist zum Heulen. Wir pfuschen oft notdürftig
herum an den Problemen unseres Lebens. Sicher, die Jünger haben während
ihrer Aussendung viele Dämonen ausgetrieben und geheilt, aber diese
Geschichte zeigt, daß auch sie scheiterten.
zur Andacht der letzten Woche
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