Lk 8,49 Während er noch redete, kommt einer von dem <Haus des>
Synagogenvorstehers und sagt zu ihm: Deine Tochter ist gestorben. Bemühe
den Lehrer nicht!
Lk 8,50 Als aber Jesus es hörte, antwortete er ihm: Fürchte
dich nicht, glaube nur! Und sie wird gerettet werden.
Lk 8,51 Als er aber in das Haus kam, erlaubte er niemand hineinzugehen
außer Petrus und Johannes und Jakobus und dem Vater des Kindes und
der Mutter.
Lk 8,52 Alle aber weinten und beklagten sie. Er aber sprach: Weint
nicht! Denn sie ist nicht gestorben, sondern sie schläft.
Lk 8,53 Und sie lachten ihn aus, da sie wußten, daß sie
gestorben war.
Lk 8,54 Er aber ergriff ihre Hand und rief und sprach: Kind, steh auf!
Lk 8,55 Und ihr Geist kehrte zurück, und sogleich stand sie auf;
und er befahl, ihr zu essen zu geben.
Lk 8,56 Und ihre Eltern gerieten außer sich; er aber gebot ihnen,
niemand zu sagen, was geschehen war.
Jesus heilt eine Frau, die unter Blutungen leidet. Der Synagogenvorsteher,
der zuvor um Hilfe für seine kranke Tochter gefleht hat, erfährt
eine derbe Enttäuschung: Seine Tochter ist inzwischen gestorben. Jesus,
der das hört, hat einen eigenartigen Trost. Jairus solle keine Angst
haben nur glauben, dann werde seine Tochter gerettet.
Was sollte Jairus denn noch glauben? Daß seine Tochter gesund
wird, wie die Frau? Dafür ist es offensichtlich zu spät - seine
Tochter ist tot. Auch geht es hier nicht mehr um Angst. Die größte
Furcht, seine Tochter könne sterben, hat sich bewahrheitet. Was bleibt
ist Resignation. Jesus kommt zu spät.
Der Trost Jesu, Jairus' Tochter könne gerettet (sozo) werden,
kann sowohl körperlich, wie auch geistlich verstanden werden. Geistlich
klingt es wie eine schwache Beerdigungsrede zum unpassendsten Augenblick,
körperlich so, als hätte er gar nicht richtig zugehört.
Doch Jesus meint, was er sagt. Auch als er erklärt, die Tochter würde
nur schlafen. Die Menschen lachen ihn aus. Sie wissen nicht, daß
er, Jesus, DAS Leben selbst ist (Joh 14,6). Er bestimmt, wer gestorben
ist und wer lebt. Er weckte bereits Tote auf und wenn er erklärt,
dieses Mädchen schlafe, dann schläft es, und sei es, daß
er es aus den Toten er-"weckt".
Nachdem er das Kind zurückgeholt hat, sagt er Jairus und seiner
Frau, sie sollen ihrer Tochter zu Essen geben. Jesus läßt keinen
Raum für Heldenverehrung. Er läßt sich nicht feiern. Statt
dessen stellt er das Kind, um das es Jairus ging, in den Mittelpunkt. Hier
trifft sich das, was für viele unvereinbar scheint: Das mächtige
Wirken Gottes und die Notwendigkeiten des Alltages. Jesus wirkt nicht in
einem sakralem Rahmen, er wirkt mitten im Alltag und er greift diesen direkt
auf: Ihr müßt dem Kind etwas zu essen geben.
So endet die Krankenheilung (oder Auferweckung - je nach Sichtweise).
Wir haben ein Problem und Jesus hilft nicht sofort. Irgendwann glauben
wir, es sei zu spät. Schließlich erleben wir, daß Gott
doch helfen kann, auch da, wo wir keine Hilfe mehr erhoffen. Und das alles
ist Teil des ganz normalen Lebens. Andere mögen darüber lachen,
aber Tausende erleben es immer wieder. Jesus ist da, und er hilft. Vielleicht
nicht immer dann, wenn wir das wollen, aber immer zur rechten Zeit.
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