Lk 8,22 Und es geschah an einem der Tage, daß er in ein Boot stieg,
er und seine Jünger; und er sprach zu ihnen: Laßt uns übersetzen
an das jenseitige Ufer des Sees. Und sie fuhren ab.
Lk 8,23 Während sie aber fuhren, schlief er ein. Und es fiel ein
Sturmwind auf den See, und das Boot füllte sich <mit Wasser>, und
sie waren in Gefahr.
Lk 8,24 Sie traten aber hinzu und weckten ihn auf und sprachen: Meister,
Meister, wir kommen um! Er aber stand auf, bedrohte den Wind und das Gewoge
des Wassers; und sie legten sich, und es trat Stille ein.
Lk 8,25 Er aber sprach zu ihnen: Wo ist euer Glaube? Erschrocken aber
erstaunten sie und sagten zueinander: Wer ist denn dieser, daß er
auch den Winden und dem Wasser gebietet und sie ihm gehorchen?
Wer kennt das nicht? Eben war noch alles in Ordnung und jetzt das. Hier
hilft nichts mehr. Man kämpft gegen Windmühlen und weiß
eigentlich längst, das alle Bemühungen vergebens sind. Wenn keine
Ideen vorhanden oder die Kraft erschöpft ist, versuchen es einige
mit beten. Viel erhoffen sie sich dabei meist nicht. Oft ist es sogar eher
eine Anklage an Gott: Warum mußte das jetzt so kommen.
Um so überraschender für viele, wenn Gott dann hilft. Aber
warum eigentlich?
Vieles hatten die Jünger mit Jesus erlebt. Kranke wurden gesund,
Tote standen auf und auch als Petrus nach einem erfolglosem Fischzug auf
Jesu Anraten die Netze auswarf, als normalerweise nichts zu holen ist,
waren die Netze zum Zerreißen gefüllt. Die Jünger hatten
Jesus nicht nur bei seinen Wundern zugesehen, sie hatten auch selbst welche
erlebt. Aber kaum zieht ein Sturm auf, ist scheinbar alles vergessen: "Meister,
Meister, wir kommen um!"
Jesus steht auf, bedroht Wind und Wasser und es kehrt Ruhe ein.
Wie oft bilden wir uns ein, alles wäre aus, weil wir an unsere
Grenzen kommen. Wir übersehen dabei nur Gottes Möglichkeiten.
Jesus fragt seine Jünger nach ihrem Glauben und tatsächlich sind
sie erstaunt, daß Jesus ihnen helfen konnte. Womit hatten sie gerechnet,
als sie schrien "Meister, Meister, wir kommen um!"? Mit ein paar tröstenden
Worten? Daß Jesus sagt, er könne da auch nichts machen? Das
er sich bei ihnen entschuldigt, über den See gewollt zu haben? War
es eine Frage, eine Bitte oder eine Feststellung? Oder war es gar eine
Anklage?
Womit rechnen wir, wenn wir beten? Mit einem guten Gefühl? Oder
erfüllen wir eine Pflicht? Oder denken wir, es könne ja nicht
schaden?
Oder aber beten wir im festen Vertrauen darauf, daß Gott uns
auch hört und hilft? Kein Mensch müßte letztlich verloren
gehen, kein Leben müßte verpfuscht enden, wenn Menschen glauben
könnten, daß Jesus wirklich helfen kann.
zur Andacht der letzten Woche
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