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JesusLEBT-Andacht




Wieder einmal hat das Römische Imperium eine Nation unterworfen und sie als tributpflichtigen Kilentelstaat assimiliert. Herodes muß sich als Marionettenkönig bei den übermächtigen Römern einschleimen. Überall ist die Besatzungsmacht zu spüren. Man haßt ihren Marschschritt, ihre brutale Art, ihre Gotteslästerungen, ihre Überlegenheit und ihren Stolz. Wer als Jude noch etwas Ehre und Mut besitzt geht als Zelot in den Widerstand. So wie einst Judas Makkabäus die Griechen, so müßte man die Römer aus dem Land prügeln, diese weltweite Pest.

Lk 6,27 Aber euch, die ihr hört, sage ich: Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen;
Lk 6,28 segnet, die euch fluchen; betet für die, die euch beleidigen!
Lk 6,29 Dem, der dich auf die Backe schlägt, biete auch die andere dar; und dem, der dir den Mantel nimmt, verweigere auch das Untergewand nicht!


Wie bitte??? Es mag schwer sein, die Tragweite von Jesu Worten nachzuvollziehen, wenn man keine Feinde hat. Sicher, mit manchen Menschen versteht man sich besser, mit anderen schlechter. Aber wer in Besatzungszeiten oder gar im KZ mit militärischer Gewalt gedemütigt und verletzt wurde, der mag erahnen, wovon Jesus hier spricht. Es scheint schon von der Wortbedeutung her ein Widerspruch zu sein, Feinde zu lieben. Kann man denn als Mensch überhaupt anders, als die zu hassen, die einen ihren Haß spüren lassen? Kann man die segnen, die einem die Pest an den Hals wünschen und für die beten, die mich nieder machen? Macht man sich nicht zum Prügelknaben, wenn man auch die andere Wange hinhält? Muß man sich nicht wehren, wenn man enteignet, betrogen oder ausgeraubt wird?
Jesus redet hier nicht von akademisch konstruierten Beispielen, er redet vom Alltag in den Besatzungsgebieten. Er redet nicht von Menschen, die einen nicht mögen, und zu denen man trotzdem höflich sein soll. Er redet von Feinden. Daß das, wovon er hier redet, nicht "machbar" ist, stört ihn wenig. Er weiß, daß niemand diese Liebe aus sich heraus entwickeln kann. Wenn den Menschen das auffällt - um so besser.
"Liebt eure Feinde" - diese Worte Jesu sind zum Märtyrer geworden. Im Namen der Liebe wurden Kriege geführt, verbrannt und ermordet. Unschuldige wurden zu Tode gefoltert und Andersdenkende ausradiert. Heute wird Liebe gerne mit einer besonderen Art von "Toleranz" verwechselt. Man ist tolerant gegenüber allem und jedem. Man toleriert, daß Menschen ihre Seele dem Teufel verschreiben und daß andere mit diesen Seelen Geld verdienen. Und manchmal wird dieses Scheiß-egal-Gefühl dem nächsten gegenüber sogar noch als Liebe fromm vermarktet. Es ist eine "christliche" Erfindung, daß Liebe ohne Gefühl möglich sei. Feindesliebe hat demnach nichts mit Gefühlen zu tun. Es gehe nicht darum, was man bei einem Menschen empfindet, sondern wie man sich ihm gegenüber verhält. Sicher ist es für mein Gegenüber besser, wenn ich mich beherrsche und ihn trotz etwaiger Antipathie liebevoll behandle. Aber es besteht immernoch ein Unterschied zwischen liebevoll behandeln und Liebe. Es ist oft ein wichtiger und guter erster Schritt, einem Menschen liebevoll zu begegnen und manchmal führt das dann auch dazu, daß uns dieser Mensch von Herzen wichtig wird. Mit "agapaw" ist zwar mehr eine "Kopfliebe" als eine "Bauchliebe" gemeint, aber diese Liebe ist dennoch Ausdruck meines ganzheitlichen Verhältnisses zu meinem Gegenüber, oder sie verdient den Namen nicht.
Was soll ich nun tun? Soll ich heucheln? Soll ich dem, dem ich am liebsten ein Messer zwischen die Rippen stoßen würde, die andere Wange hinhalten und ihm vermitteln, ich würde ihn lieben? Das ist immer besser, als ihn Haß spüren zu lassen. Aber wenn wir ehrlich sind, wissen wir, daß wir das nicht lange durchhalten. Wir werden ihm nur dann immer und immer wieder vergeben und uns nur dann immer wieder auf ihn einlassen, wenn wir ihn wirklich lieben. So, wie bei liebenden Eltern, die ihre Kinder nicht aufgeben, was die auch immer tun, so steht auch hinter der Feindesliebe mehr, als der Entschluß zu einer Verhaltensweise. Es ist ein verzehrendes Feuer für den anderen und es ist das Unbegreifliche, daß Jesus dieses Feuer selbst für unsere Feinde in uns entzünden will.

"In einem Gottesdienst in München sah ich ihn, den früheren SS-Mann, der vor der Tür zum Duschraum in Ravensbrück Wache gestanden hatte. Er war der erste unserer wirklichen Kerkermeister, den ich seit damals wiedersah. Und plötzlich war das alles wieder lebendig - der Raum voll spottender Männer, die Kleiderhaufen, Betsies vom Schmerz gezeichnetes Gesicht.
Als die Kirche sich leerte, kam er strahlend und sich verbeugend auf mich zu. »Wie dankbar bin ich Ihnen für Ihre Botschaft, Fräulein«, sagte er. »Mir vorzustellen, daß er, wie Sie sagen, meine Sünden abgewaschen hat!«
Er streckte die Hand aus, um meine zu schütteln, aber ich, die ich in Bloemendaal den Menschen so oft gepredigt hatte, daß sie vergeben müßten, ließ meine Hand herunterhängen.
Selbst als die bitteren Rachegedanken in mir kochten, erkannte ich, daß das Sünde war. Jesus Christus war für diesen Mann gestorben; wollte ich mehr verlangen? »Herr Jesus«, betete ich, »vergib mir und hilf mir, ihm zu vergeben.«
Ich versuchte zu lächeln, bemühte mich krampfhaft, meine Hand zu heben. Ich konnte es nicht. Ich fühlte nichts, nicht den kleinsten Funken Wärme oder Erbarmen. Und so hauchte ich wieder ein stummes Gebet. »Jesus, ich kann ihm nicht vergeben. Schenke mir deine Vergebung.«
Und als ich seine Hand nahm, geschah etwas ganz Unglaubliches. Von meiner Schulter herunter, an meinem Arm entlang und durch meine Hand schien ein Strom von mir auf ihn überzugehen, während in meinem Herzen eine Liebe zu diesem Fremden aufloderte, die mich fast überwältigte.
Und so entdeckte ich, daß die Heilung der Welt weder von unserer Vergebung noch von unserer Güte abhängt, sondern allein von seiner. Wenn er uns sagt, daß wir unsere Feinde lieben sollen, dann schenkt er uns mit dem Gebot die Liebe selbst." von Corrie ten Boom.

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