Lk 6,20 Und er erhob seine Augen zu seinen Jüngern und sprach: Glückselig
ihr Armen, denn euer ist das Reich Gottes.
Lk 6,21 Glückselig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet gesättigt
werden. Glückselig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen.
Lk 6,22 Glückselig seid ihr, wenn die Menschen euch hassen werden
und wenn sie euch absondern und schmähen und euren Namen als böse
verwerfen werden um des Sohnes des Menschen willen.
Lk 6,23 Freut euch an jenem Tag und hüpft! Denn siehe, euer Lohn
ist groß in dem Himmel; denn ebenso taten ihre Väter den Propheten.
Lk 6,24 Aber wehe euch Reichen! Denn ihr habt euren Trost dahin.
Lk 6,25 Wehe euch, die ihr voll seid, denn ihr werdet hungern. Wehe
euch, die ihr jetzt lacht, denn ihr werdet trauern und weinen.
Lk 6,26 Wehe, wenn alle Menschen gut von euch reden, denn ebenso taten
ihre Väter den falschen Propheten.
Jesus redet zu seinen Jüngern, aber das, was er zu sagen hat, gilt
für alle Anwesenden. "Glückselig ihr Armen, denn euer ist das
Reich Gottes." im Gegensatz zu "Aber wehe euch Reichen! Denn ihr habt euren
Trost dahin." Was ist schlimm daran, reich zu sein? Und - ist armsein wirklich
ein Segen? Jeder, der Armut, Hunger, Trauer oder Verfolgung erlebt hat,
wird sich hüten, das als Segen zu verharmlosen.
Obwohl Jesu Worte für alle gelten, sind sie erst einmal an seine
Jünger gerichtet. Sie haben ihren scheinbaren Reichtum hinter sich
gelassen und sind Jesus nachgefolgt. In unbändigem geistlichen Hunger
ließen sie alles stehen und liegen und folgten ihm nach. Zumindest
von dem Zöllner Levi kann man sagen, daß er einen sehr lukrativen
Job aufgab. Aber sie empfanden Armut - geistliche Armut. Es mußte
doch noch mehr im Leben geben als Geld, Erfolg und Ansehen, hauptsache
gesund oder eine nette Familie. Alles das ist ja schön und gut, aber
es ist zu wenig. Jesu Jünger wurden arm - sowohl materiell, wie auch
geistlich. Sie wurden hungrig - sowohl materiell, als auch geistlich. Sie
nahmen Anteil an den Nöten dieser Welt. Indem sie Jesus nachfolgten,
wurden sie mit all der Not von Menschen konfrontiert, die sich hilfesuchend
an Jesus wandten. Sie nahmen Anteil an Jesu Ringen um Menschen und sie
nahmen auch Anteil an der Trauer um jene, die sich nicht helfen lassen
wollten. Sie hätten es wirklich einfacher haben können. Aber
sie sind darin glückselig. Ihnen, die aufgebrochen sind und alles
hinter sich ließen, ihnen gehört das eigentliche gelobte
Land, das Reich Gottes. Sie, die sich so viel von Jesus erhofften, sie
werden satt. Sie, die an dem Leid Anteil nahmen, werden sich auch mit diesen
Menschen und mit Jesus freuen können. Jesu Jünger wurden gehaßt
und abgesondert, sie wurden geschmäht und als böse verworfen.
Aber trotzdem sind sie die Gesandten Gottes, ja Jesus stellt sie auf die
Stufe der Propheten im damaligen Judentum. Alle diese Seligpreisungen haben
nur eine Ursache. Weder Armut, noch Hunger, noch Trauer, noch Verfolgung
oder irgend etwas ähnliches macht Jesu Jünger selig, sondern
"um des Sohnes des Menschen willen" werden sie Sieger sein.
Auch wenn es nach außen toll wirkt, wenn Reichtum, Sättigung,
Fun oder Anerkennung die Triebfedern unseres "christlichen" Lebens sind,
werden wird damit eine bittere Enttäuschung erleben. Jesu Boten geht
es um Jesus, die anderen sind falsche Propheten. Wer meint, nichts mehr
zu brauchen, wer keinen Hunger mehr hat, wer die Nöte nicht mehr sieht,
wer glaubt, alles sei okay und sich im Jubel seiner Fans berauscht, betrügt
sich selbst. Hunger ist nicht gut, deshalb wird er ja gesättigt, Armut
soll nicht sein, deshalb sollen sie Gottes Reich erben, Trauer soll nicht
sein, deshalb werden sie lachen und es ist auch nicht toll, abgesondert,
gehaßt, verschmäht und verworfen zu werden. Aber gestillt werden
diese Bedürfnisse letztlich nicht durch die Werbe- und Erfolgsversprechungen
dieser Welt - spätestens mit dem Tod platzt diese Seifenblase -
sondern allein durch Gott.
zur Andacht der letzten Woche
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