Lk 6,1 Und es geschah am Sabbat, daß er durch die Saaten ging und
seine Jünger die Ähren abpflückten und aßen, indem
sie sie mit den Händen zerrieben.
Lk 6,2 Einige der Pharisäer aber sprachen zu ihnen: Warum tut
ihr, was am Sabbat nicht zu tun erlaubt ist?
Lk 6,3 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt ihr auch dieses
nicht gelesen, was David tat, als ihn und die, die bei ihm waren, hungerte?
Lk 6,4 Wie er in das Haus Gottes ging und die Schaubrote nahm und aß
und auch denen gab, die bei ihm waren - die doch außer den Priestern
allein niemand essen darf?
Lk 6,5 Und er sprach zu ihnen: Der Sohn des Menschen ist Herr des Sabbats.
Könnte es sein, daß wir nicht richtig lesen? Die Pharisäer
kannten das mosaische Gesetz, aber verstanden sie überhaupt, worum
es ging? Sie beziehen sich auf 2.Mo 31,14f, daß, wer den Sabbat durch
Arbeit entheiligt, getötet werden muß. Aber was entheiligt den
Sabbat mehr - Hunger stillen oder hungern lassen? Das Stillen von
Hunger, auch mit dem, was beim Nachbarn wächst, wurde den Israeliten
von Gott ausdrücklich zugestanden (5.Mo 23,26).
Jesus erinnert die Pharisäer an David, der, als er und seine Leute
Hunger hatten, sogar die heiligen Schaubrote aß (1.Sam 21,2-7), was
ebenfalls verboten war. Die Schaubrote waren Nahrung für die Priester.
Das Gesetz garantierte den Priestern das Brot, hatte also den Sinn, Hunger
zu vermeiden. Wenn nun David und seine Leute Hunger hatten und keine Chance
auf Nahrung bestand, so ist es zwar nicht dem Buchstaben nach, aber dem
Sinn des Gesetzes nach genau das Richtige, ihnen Essen zu geben. Kein Gesetz
Gottes ist Willkür. Der Sabbat dient letztlich dem Menschen. Gott
ist kein Bürokrat, bei dem Recht und Gerechtigkeit auseinander klaffen.
Letztlich ist immer er selbst der Maßstab. Er ist immer noch der
Herr über den Sabbat und er weiß am besten, wozu das Gesetz
da ist. Es ist traurig, wenn gerade Christen ihre Mitmenschen lieblos an
Gesetzlichkeiten ketten, statt Gott zu fragen, was sie für ihren Nächsten
tun können, denn gerade das ist doch ein tieferer Sinn des Sabbat:
Daß die Menschen wenigstens an einem Tag in der Woche alles "Wichtige",
das getan werden "muß" beiseite legen und sich auf den besinnen,
um den es wirklich geht - um Gott.
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