Lk 5,17 Und es geschah an einem der Tage, daß er lehrte, und es
saßen da Pharisäer und Gesetzeslehrer, die aus jedem Dorf von
Galiläa und Judäa und aus Jerusalem gekommen waren; und des Herrn
Kraft war da, damit er heilte.
Lk 5,18 Und siehe, Männer bringen auf einem Bett einen Menschen,
der gelähmt war; und sie suchten ihn hineinzubringen und vor ihn zu
legen.
Lk 5,19 Und da sie nicht fanden, auf welchem <Weg> sie ihn hineinbringen
sollten, wegen der Volksmenge, stiegen sie auf das Dach und ließen
ihn durch die Ziegel hinab mit dem Bett in die Mitte vor Jesus.
Lk 5,20 Und als er ihren Glauben sah, sprach er: Mensch, deine Sünden
sind dir vergeben.
Lk 5,21 Und die Schriftgelehrten und die Pharisäer fingen an zu
überlegen und sagten: Wer ist dieser, der <solche> Lästerungen
redet? Wer kann Sünden vergeben außer Gott allein?
Lk 5,22 Als aber Jesus ihre Überlegungen erkannte, antwortete
und sprach er zu ihnen: Was überlegt ihr in euren Herzen?
Lk 5,23 Was ist leichter zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben,
oder zu sagen: Steh auf und geh umher?
Lk 5,24 Damit ihr aber wißt, daß der Sohn des Menschen
Vollmacht hat, auf der Erde Sünden zu vergeben - sprach er zu dem
Gelähmten: Ich sage dir, steh auf und nimm dein Bett auf und geh nach
Hause!
Lk 5,25 Und sogleich stand er vor ihnen auf, nahm auf, worauf er gelegen
hatte, und ging hin in sein Haus und verherrlichte Gott.
Lk 5,26 Und Staunen ergriff alle, und sie verherrlichten Gott und wurden
mit Furcht erfüllt und sprachen: Wir haben heute außerordentliche
Dinge gesehen.
Jesus ist da. Jeder will ihn hören. Doch die Kraft Gottes war auch
da, um Menschen zu heilen. Eine richtig fromme Versammlung. Die Menschen
drängen sich um ihn. Da kommen auf einmal welche daher und wollen
einen Gelähmten zu Jesus bringen. Eigentlich könnte man erwarten,
daß diese frommen Leute ein Herz für Kranke haben und sie durchlassen.
Doch statt dessen zeigen sie ihnen die kalte Schulter. Hätten die
Freunde des Gelähmten von diesen Menschen auf Jesus selbst geschlossen,
wären sie gleich wieder umgekehrt. Wie viele Menschen lernen Christen
kennen, schließen von diesen auf Jesus und wollen anschließend
nichts mehr mit ihm zu tun haben? Doch die Freunde lassen sich nicht abschrecken.
Ihnen ist klar, daß, wenn überhaupt, dann nur Jesus selbst helfen
kann. Sie überlegen also, wie sie den Gelähmten unmittelbar mit
Jesus in Kontakt bringen können. Darum geht es bei jeder Missionsveranstaltung.
Es geht nicht darum, das Menschen Christen begegnen. Das ist auch etwas
Wichtiges und Gutes, aber von dort kommt üblicherweise keine Hilfe
und schon gar keine Rettung, sondern nicht selten nur Ernüchterung
und Entäuschung. Und so beschließen sie aufs Dach zu steigen,
ein Loch zu machen und den Gelähmten direkt vor Jesus abzuseilen.
Ihnen ist scheinbar keine Mühe zu groß, um ihren Freund zu Jesus
zu bringen. Jesus sieht dieses enorme Vertrauen (Glauben) dieser Menschen
in ihn und spricht zu dem Gelähmten: Mensch, deine Sünden sind
dir vergeben.
Hat Jesus überhaupt verstanden, was diese Menschen von ihm wollten?
Da liegt ein Mensch vor ihm, gelähmt, vielleicht mit Schmerzen. Und
was sagt er? - Da kommen Menschen mit konkreten Problemen und dann fangen
die Pfarrer an von Sünde etc. zu erzählen. Warum tut Jesus so
etwas?
Das zentrale Problem des Menschen sind nicht körperliche Gebrechen,
auch wenn der Mensch noch so unter ihnen leidet. Das zentrale Problem der
Menschen ist seine Trennung von Gott. Das muß geheilt werden. Ein
Mensch kommt zum Arzt mit Bauchschmerzen und der Arzt nimmt ihm die Schmerzen
nicht einfach, sondern macht sie noch stärker. Er verschreibt dem
Patienten nicht einfach ein Schmerzmittel und entläßt ihn, sondern
er schneidet ihm den halben Magen heraus. Der gesamte Tumor wurde erwischt.
Keine Metastasen. Der Mensch ist gerettet. Er hatte Krebs. - Es mag sein,
daß es dem Patienten für die nächsten Stunden und Tage
ohne Operation besser gegangen wäre, aber der Arzt sieht weiter. Er
wird auch die Schmerzen behandeln, aber zuerst muß das Geschwür
weg.
Die frommen Zuhörer von Jesus wissen, daß nur Gott selbst
dem Menschen seine Sünden, daß heißt die den Menschen
zerstörende und zwischen Gott und dem Menschen stehende Schuld vergeben
kann. Sie sind empört. Doch Jesus bestätigt seine Autorität
als von Gott und heilt den Gelähmten. Er stellt ihn wieder so her,
daß dieser sogar in der Lage ist, selbst Lasten zu tragen. Der Gelähmte
geht nach Hause und lobt Gott. Er erkennt ihn als Mittelpunkt seines Lebens.
Der Gelähmte ist nicht nur körperlich wieder hergestellt. Sein
Leben hat ein Fundament und einen Sinn bekommen. Er ist umfassend geheilt
worden. Jesus hat ihn mit Gott versöhnt.
zur Andacht der letzten Woche
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