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JesusLEBT-Andacht




Lk 4,16 Und er kam nach Nazareth, wo er erzogen worden war; und er ging nach seiner Gewohnheit am Sabbattag in die Synagoge und stand auf, um vorzulesen.
Lk 4,17 Und es wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht; und als er das Buch aufgerollt hatte, fand er die Stelle, wo geschrieben war:
Lk 4,18 «Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, Armen gute Botschaft zu verkündigen; er hat mich gesandt, Gefangenen Freiheit auszurufen und Blinden, daß sie wieder sehen, Zerschlagene in Freiheit hinzusenden,
Lk 4,19 auszurufen ein angenehmes Jahr des Herrn.»
Lk 4,20 Und als er das Buch zugerollt hatte, gab er es dem Diener zurück und setzte sich; und aller Augen in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.
Lk 4,21 Er fing aber an, zu ihnen zu sagen: Heute ist diese Schrift vor euren Ohren erfüllt.


Drei Gewohnheiten hatte Jesus: Am Sabbat in die Synagoge gehen, beten (Lk 22,39) und lehren (Mk 10,1). Es ist Sabbat und Jesus ist wieder in der Synagoge. An einer Stelle im Gottesdienst war es möglich, daß jemand aus den Büchern vorliest. Jesus las aus dem Buch Jesaja aus dem Kapitel 61 die Verse 1 und 2. Es war damals eine sehr bekannte Stelle.
Das Volk Israel war unter römischer Herrschaft. Der religiöse Kultus wurde zwar im Sinne des Pax Romana gewährt, aber durch die fehlende politische Macht sinnentleert, da die Juden Gott auch als oberste weltliche Autorität sahen und sich einfach nicht vorstellen konnten, daß Gott sein Volk unter Fremdherrschaft läßt. Manche suchten Zuflucht in religiösen Gruppen, die wie Pilze aus dem Boden sprossen: Pharisäer, Sadduzäer, Essener, die Leute um Johannes den Täufer, usw.. Die Zeloten glaubten, man müßte die Freiheit Israels mit Gewalt wiederherstellen. Viele erwarteten einen Messias, der die Römer vertreiben sollte. Besonders im Buch Jesaja wurde der Messias prophezeit. Jesus knüpft an diese Prophezeiung an. Er ist der Messias. Trotzdem vertrieb er nicht die Römer.
Jesus sagte den Menschen nicht nur, daß er der durch den heiligen Geist gesalbte Messias (Messias = der Gesalbte) ist. Er las ihnen auch die Aufgaben des Messias vor:
Er ist gekommen, Armen gute Botschaft zu bringen. Allzuschnell wird hier die Schublade aufgemacht, der Schöpfer des Himmels und der Erde tauge nur als Trostpflaster für gesellschaftlich Benachteiligte - wer mit beiden Beinen im Leben steht brauche keinen Gott. Und in der Tat ist da viel Wahres dran. Wer das Gefühl hat, alles sei in Ordnung, wird nicht viel von einem Gott halten, der die Dinge in Ordnung bringen will, der ihm das geben will, was ihm fehlt. Ein Armer ist in diesem Sinne vor allem derjenige, der weiß, daß er es alleine nicht schafft. Für alle diese Armen hat Jesus die gute Botschaft, daß er für sie da ist.
Er ist von Gott gesandt, Gefangenen die Freiheit auszurufen. Viele Menschen wünschen sich, noch einmal von vorne beginnen zu können. Sie sind Gefangene. Schuld, Gewohnheiten und Trott, Sucht, Gesellschaftszwänge, was denken die anderen über mich, Ängste, Hoffnungslosigkeit, Mutlosigkeit, Kraftlosigkeit - viele Ketten ziehen uns zu Boden. Jesus ist gesandt, Gefangenen die Freiheit auszurufen.
Jesus ist gesandt, damit Blinde wieder sehen. Natürlich sind damit auch die vielen körperlich Blinden gemeint, denen Jesus die Augen öffnete. Aber er öffnet nicht nur ihnen die Augen. Jesus predigt keinen blinden Glauben. Er will, daß wir sehen. Er will, daß wir genau hinsehen und erkennen, daß er der Weg und die Wahrheit und das Leben ist. Schon im nächsten Satz mutet er den Menschen in der Synagoge eine solche Wahrheit zu. Jesus will, daß wir wieder hinsehen. Es kann doch nicht der Weisheit letzter Schluß sein, wenn Blinde verkünden: Ich glaube nur was ich sehe.
Und Jesus ist gesandt, um uns zu senden (Joh 20,19-23). Jesus ist nicht nur gekommen um uns zu helfen, sondern auch, damit auch wir uns der anderen annehmen. Jesus gibt sich nicht damit zufrieden, daß ein Mensch geheilt ist. Er möchte mit ihnen zusammen an Gottes Reich arbeiten. Jesu Jünger waren keine Helden. Es waren Menschen wie Du und ich. Jesus hat sie von den Ketten gelöst und sie in Freiheit in die Welt gesandt. Die Jünger lebten ihr Leben nicht in einem Zwang, sondern in der freiwilligen begeisterten Hingabe an Jesus und diese Erfahrung trugen sie in die Welt.
Jesus ist gekommen, ein Jubeljahr auszurufen. In 3.Mose 25,8ff erfahren wir, daß in jedem fünfzigsten Jahr allen die Schulden erlassen werden sollen. Menschen, die unter Knechtschaft geraten sind sollen frei gelassen werden. Jeder soll wieder in seine alten Besitzstände kommen.
Seit dem Sündenfall ist der Mensch versklavt. Immer neu lädt er Schuld auf sich. Darum ist Jesus gekommen. Er nimmt unsere Schuld auf sich. Er will uns die Freiheit wiedergeben. Er möchte die Beziehung zu Gott heilen. Wir können Kinder Gottes werden und teilhaben an seiner Herrlichkeit.
Das Ende von Jesaja 61,2 liest Jesus an dieser Stelle noch nicht vor:
Jes 61,2 ... und den Tag der Rache für unsern Gott, zu trösten alle Trauernden, ...
Jesus ist der liebende Gott, der uns die Hand entgegenstreckt. Aber es kommt der Tag, an dem wir ihn als Richter erkennen werden, vor dem sich letztlich jeder verantworten muß. Die Juden warteten auf den mächtigen Befreier - auf den Weltherrscher und Richter, der für Ordnung sorgt. Doch es kam ein Gott, der ihnen und uns noch immer die Hand entgegenstreckt. Wir warten heute aufs Christkind, aber Gott wird in Macht und Herrlichkeit wiederkommen.
Mt 28,18 Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.
In ihm sind die Prophezeiungen des alten Testaments erfüllt.

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