Lk 4,9 Und er führte ihn nach Jerusalem und stellte ihn auf die
Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so wirf
dich von hier hinab;
Lk 4,10 denn es steht geschrieben: «Er wird seinen Engeln über
dir befehlen, daß sie dich bewahren;
Lk 4,11 und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du nicht
etwa deinen Fuß an einen Stein stößt.»
Lk 4,12 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Es ist gesagt: «Du
sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.»
Lk 4,13 Und als der Teufel jede Versuchung vollendet hatte, wich er
für eine Zeit von ihm.
Der Teufel hakt noch einmal nach. Diesmal zitiert er sogar die Bibel
(Psalm 91,11f).
In den biblischen Berichten werden Menschen geheilt, Tote erstehen,
Menschen gehen auf dem Wasser, ... Warum passiert das nicht in unseren
Gemeinden? Warum ist das nicht der Alltag? Sind wir keine richtigen Christen
oder stimmen diese Berichte nicht? Auf diese bösartige Versuchung
fallen besonders fromme Christen herein. Vielleicht kennt jemand die nette
Anekdote aus dem "Tagebuch eines frommen Chaoten", in dem der Schreiber,
gestützt auf die Zusage, daß Glaube Berge versetzen kann, versucht,
Büroklammern zu bewegen. Dahinter stehen viele oft sehr schmerzhafte
Erfahrungen von Christen, die, ohne es zu merken, die Bibel instrumentalisieren
und dann enttäuscht sind, wenn ihre Erwartungen nicht eintreffen.
Viele Christen versuchen dann nachzuhelfen. Es macht mich traurig,
wenn ich in manchen charismatischen Gottesdiensten erlebe, daß die
Stimmung so lange aufgepeitscht wird, bis sich die erhofften Manifestationen
des Heiligen Geistes scheinbar einstellen. Menschen die glauben, dort geheilt
worden zu sein und später feststellen müssen, daß sie immer
noch krank sind, stürzen oft in schwere Glaubenskrisen. Andere verzweifeln
daran, daß sich bei ihnen bestimmte Manifestationen nicht einstellen,
weil sie glauben, nur dann von Gott umfassend gesegnet zu sein.
In manchen Gemeinden führen diese Anfechtungen dazu, bestimmte
biblische Ereignisse für unsere Zeit zu leugnen. "Charismatische"
Erlebnisse werden pauschal entweder psychologisch heruntergeredet oder
gar dem Teufel zugeschrieben. Dabei wäre es hilfreich, dem Geist Gottes
nicht nur den Verstand zu öffnen, damit wir hingerissene und begeisterte
Christen werden, deren Liebe nicht nur ein gefühlsarmes Abspulen von
Verhaltensnormen gegenüber Gott und Menschen ist, sondern erlebtes
Leben im Überfluß.
Jesus läßt sich vom Satan nicht verunsichern. Er fragt sich
nicht: "Bin ich jetzt wirklich Gottes Sohn?" Er zweifelt nicht daran, daß
ihn die Engel Gottes auf Händen tragen würden - er springt aber
auch nicht. Er muß es sich nicht beweisen. Er muß es den Menschen
beim Tempel nicht beweisen. Er muß es auch dem Teufel nicht beweisen.
Er braucht nicht den Kick. Er vertraut auf Gott. Er weiß, daß
die biblische Aussage stimmt.
Ähnlich der ersten Versuchung ist hier das Springen von Tempel
nicht verwerflich, aber die Motive wären falsch. Anders als beim vorgeschlagenen
Sprung vom Tempel ging Jesus freiwillig nicht nur beinahe in den Tod. Er
starb tatsächlich und überwand die Hölle. Er hat den Satan
entmachtet - ohne Kniefall (siehe letzte Andacht). Er stand am dritten
Tag nach seiner Hinrichtung von den Toten auf. Er hat es allen gezeigt,
aber das war nicht der Grund! Er hat es getan um Menschen zu retten.
Die Antwort Jesu entwertet die biblische Aussage des Teufels nicht.
Sie macht deutlich, daß die Bibel kein Instrument zur Durchsetzung
unserer Interessen ist. Jesus weiß, daß die Motive für
diesen Sprung falsch wären. Er stellt Gott nicht auf die Probe (5.Mo
6,16). Er vertraut ihm.
Die Antwort Jesu konfrontiert den Teufel aber auch mit einer höheren
Autorität. In Jesus tritt Gott selbst dem Teufel gegenüber. Jesus
ist Herr über den Teufel und er befiehlt ihm: "Du sollst den Herrn,
deinen Gott," -also Jesus- "nicht versuchen." Der Teufel muß gehorchen.
Bei genauem Hinsehen mag die Gerissenheit des Teufels erschrecken und jeder von uns ist wohl (anders als Jesus) schon auf die eine oder andere Versuchung hereingefallen. Zum Schluß wird aber wieder einmal deutlich: Jesus hat auch Macht über den Teufel. ER ist der richtige Ansprechpartner - auch und gerade in Zeiten, in denen wir vom Teufel versucht werden.
Eph 6,10 Schließlich: Werdet stark im Herrn und in der Macht seiner
Stärke!
Eph 6,11 Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr gegen
die Listen des Teufels bestehen könnt!
Eph 6,12 Denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern
gegen die Gewalten, gegen die Mächte, gegen die Weltbeherrscher dieser
Finsternis, gegen die geistigen <Mächte> der Bosheit in der Himmelswelt.
Eph 6,13 Deshalb ergreift die ganze Waffenrüstung Gottes, damit
ihr an dem bösen Tag widerstehen und, wenn ihr alles ausgerichtet
habt, stehen <bleiben> könnt!
Eph 6,14 So steht nun, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit, bekleidet
mit dem Brustpanzer der Gerechtigkeit
Eph 6,15 und beschuht an den Füßen mit der Bereitschaft
<zur Verkündigung> des Evangeliums des Friedens!
Eph 6,16 Bei alledem ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr
alle feurigen Pfeile des Bösen auslöschen könnt!
Eph 6,17 Nehmt auch den Helm des Heils und das Schwert des Geistes,
das ist Gottes Wort!
Eph 6,18 Mit allem Gebet und Flehen betet zu jeder Zeit im Geist, und
wachet hierzu in allem Anhalten und Flehen für alle Heiligen.
zur Andacht der letzten Woche
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