JesusLEBT-Andacht |
Ich las vor einiger Zeit einen Artikel in der Zeitschrift "Spiegel", in dem mit Missionaren abgerechnet wurde, deren Botschaft in Ländern, die dem Christentum offiziell feindlich gegenüberstehen, für Streit und Terror sorgen. Menschen, die sich zu Jesus bekennen werden aus ihren Familien ausgestoßen und müssen allerlei Repressalien erdulden. Und obwohl die Missionare wissen, dass ihre Botschaft von Jesus oft wie Sprengstoff wirkt, legen sie dieses Feuer. Aber müssten Christen nicht für Frieden sorgen? Müssten Christen nicht anderen Christen raten, ihrem Glauben abzuschwören, wenn damit der Frieden in der Familie, im Freundeskreis oder im Dorf wieder hergestellt ist?
Andere finden es gut, wenn sich Christen sozial engagieren, aber zu Abtreibung, Homosexualität oder Sterbehilfe sollten sie sich nicht äußern. Oft regen sich Menschen darüber auf, wenn sich Christen zu Wort melden, führen aber im gleichen Athemzug Themen auf, zu denen sich die Christen endlich mal äußern sollten - üblicherweise die Themen, die ihnen persönlich gerade am Herzen liegen.
Wieder andere sehen Glaube generell als Privatsache. Wenn jemand seine Laster aufgibt, weil er Christ ist, wenn er freundlicher, netter und ehrlicher wird, dann kann er ja ruhig Christ werden. Aber er sollte seinen Glauben in seinen eigenen vier Wänden leben und nicht öffentlich. Und vor allem sollte er mich damit in Frieden lassen. Nichts gegen Grufties, Hippies, Umweltschützer, Vertriebenenverbände, Emanzipationsbewegung oder andere Gruppen, die ihre Anliegen öffentlich bekunden, aber gerade Christen sollten sich zurückhalten.
Selbst in der Familie werden Christen mit Anforderungen und Erwartungen konfrontiert, die sie oft nicht erfüllen können. Viele Eltern freuen sich, wenn ihr Kind ehrlicher, fleisiger, treu, ausgeglichener und verantwortungsbewußt wird. Aber eine Bekehrung zu Gott kann auch zur Folge haben, dass das Kind nicht Papas Firma übernimmt, sondern als Missionar in einem anderen Land in Armut lebt. Oder dass es nur die Werte und Ziele der Eltern nicht mehr teilt, dass es andere Prioritäten setzt und nicht mehr mit den Eltern an einem Strang zieht. Manchmal reicht schon die Tatsache, dass das Kind einen anderen Glauben hat als die Eltern, um die Familie zu entzweien.
Wie sollen sich Christen also nun verhalten? Ihren Nächsten lieben, der Obrigkeit untertan sein, den Eltern folgen, brav sein und nicht sündigen? Und wenn man mit Christen schon keinen Spaß haben kann, dann sollten sie wenigsten keine Probleme machen.
Das sind mehr oder weniger Erwartungen unserer Gesellschaft an Christen. Und ein "guter Christ" erfüllt natürlich alle diese Erwartungen. Gott - das ist für viele der Grund, warum Christen all das tun, was von ihnen erwartet wird. Und in der Tat - oft hört man all das von der Kanzel, nur das nicht mehr so oft mit der Hölle gedroht wird wie früher.
Aber ein Christ verantwortet sich letztlich nicht gegenüber der Gesellschaft, gegenüber der Kirche, gegenüber seinen Freunden und auch nicht gegenüber seiner Familie, seinen Eltern oder Kindern, sondern allein gegenüber Gott. Und genau hier beginnt das Problem: Ein Christ kann ein guter Freund, Sohn, Tochter, Staatsbürger oder Kirchengänger sein, solange die Anforderungen, die an ihn gestellt werden nicht mit den Zielen kollidieren, die Gott mit diesem Menschen hat. Aber wenn sich ein Christ zwischen Gottes Willen und dem Willen von Menschen (der eigene Wille eingeschlossen) entscheiden muss und dabei nach Gottes Willen lebt, sind Konflikte vorprogrammiert. Wenn Menschen den Willen Gottes nicht akzeptieren, sich gegen Gott auflehnen und ihr Leben ohne Gott leben wollen, schaffen sie sich ihre eigenen Kontrollmechanismen. Der Mensch mag dann so kontrollierbar sein, aber Gott ist es nicht und damit werden auch Christen unkontrollierbar.
Rückblickend auf das Dritte Reich wird oft gefragt, warum sich so wenig Christen gegen den Nationalsozialismus gestellt haben (dabei waren es einige). Andererseits wird erwartet, dass sich Christen heute anpassen müssen - als ob heute alles perfekt wäre. Auch im Dritten Reich sollten sich die Christen anpassen und sich gleichschalten lassen und wie damals funktioniert es oft nicht, weil Gott sich nicht vor diesen Karren spannen lässt. Und so sind Christen trotz all ihren Fehlern eben oft auch Menschen die widersprechen, die nicht jeden "Spaß" mitmachen, die sich gegen manche gesellschaftliche Strömungen stellen und auch andere Wege gehen, als es die Eltern geplant haben.
Der Glaube an Jesus trennt Menschen bis in die Familien hinein. Aber der Friede mit Gott ist wichtiger als der Friede mit Menschen.
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