Lk 10,29 Indem er aber sich selbst rechtfertigen wollte, sprach er zu Jesus: Und wer ist mein Nächster?
Lk 10,30 Jesus aber nahm
Lk 10,31 Zufällig aber ging ein Priester jenen Weg hinab; und als er
Lk 10,32 Ebenso aber kam auch ein Levit, der an den Ort gelangte, und er sah
Lk 10,33 Aber ein Samariter, der auf der Reise war, kam zu ihm hin; und als er
Lk 10,34 und er trat hinzu und verband seine Wunden und goß Öl und Wein darauf; und er setzte ihn auf sein eigenes Tier und führte ihn in eine Herberge und trug Sorge für ihn.
Lk 10,35 Und am folgenden Morgen zog er zwei Denare heraus und gab sie dem Wirt und sprach: Trage Sorge für ihn! Und was du noch dazu verwenden wirst, werde ich dir bezahlen, wenn ich zurückkomme.
Lk 10,36 Was meinst du, wer von diesen dreien der Nächste dessen gewesen ist, der unter die Räuber gefallen war?
Lk 10,37 Er aber sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm übte. Jesus aber sprach zu ihm: Geh hin und handle du ebenso!
Christen sind keine besseren Menschen. Aber sie sollten es sein - zumindest wenn man unter "besser" versteht, daß sie sich nicht mit dem üblichen zwischenmenschlichen Status Quo abfinden. Sie sollten zum Beispiel Samariter sein. Sie sollten helfen und Leiden lindern.
Eben durch diese sehr bekannte Geschichte wurde der "Samariter" sprichwörtlich. Nur leider versteht man sie nicht mehr, wenn man den Begriff "Samariter" für solch vorbildliche Menschen reserviert. Denn der Gesetzeslehrer, der sich hier zu rechtfertigen versucht, verstand so ziemlich das Gegenteil unter einem Samariter. Samaritaner, das waren Leute, die vom wahren Glauben abgefallen sind, nicht in Jerusalem, sondern auf einem ihrer Berge Gott anbeteten und man vermied es sogar, durch Samarien zu reisen. Diesen Leuten traute man alles zu - alles, nur so etwas nicht. Samaritaner galten als Feinde der Juden. Der Verletzte dürfte ein Jude gewesen sein. Und der beobachtet nun, wie eine religiöse und moralische Autorität nach der anderen "seiner eigenen Leute" sogar die Straßenseite wechselt. Alle gehen vorbei, bis schließlich ein Samariter hilft. Jesus stellt dem jüdischen Gesetzeslehrer einen Samariter als Vorbild hin: "Geh hin und handle du ebenso!" - eine ungeheuere Provokation. Aber eine notwendige. Und es muß schon zu denken geben, wenn auch Christen oft bei ihren ungläubigen Freunden mehr Verständnis, Liebe und Mitgefühl finden, wie bei seinen Glaubens"brüdern". Nicht die Beziehung zu Jesus schafft diese Gefühlslosigkeit, aber sie beseitigt sie oft noch nicht.
Christen sind keine "besseren Menschen", aber gerade sie sind aufgefordert: "Geh hin und handle du ebenso!"
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