Lk 9,59 Er sprach aber zu einem anderen: Folge mir nach! Der aber
sprach: Herr, erlaube mir, vorher hinzugehen und meinen Vater zu begraben.
Lk 9,60 Jesus aber sprach zu ihm: Laß die Toten ihre Toten begraben,
du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!
Lk 9,61 Es sprach aber auch ein anderer: Ich will dir nachfolgen, Herr;
vorher aber erlaube mir, Abschied zu nehmen von denen, die in meinem Hause
sind.
Lk 9,62 Jesus aber sprach zu ihm: Niemand, der seine Hand an den Pflug
gelegt hat und zurückblickt, ist tauglich für das Reich Gottes.
Wer Jesus nachfolgen will, soll wissen, was das bedeuten kann. Wen Jesus
in seinen Dienst beruft sollte wissen, daß er sich entscheiden muß.
Es geht aus dem Text nicht hervor, ob der besagte Vater schon gestorben
war, oder ob der "andere" gar warten wollte, bis dieser gestorben ist.
Das vierte Gebot war Jesus sehr wichtig (vgl. Mk 7,1-13) aber er läßt
keinen Zweifel daran, daß er absoluten Vorrang hat, auch gegenüber
den eigenen Eltern. Etwas später, in Lukas 14,26 greift Jesus das
nocheinmal auf. Es ist eine Stelle, an der sich schon viele gestoßen
haben. Aber wir müssen die Verhältnisse sehen, wenn Jesus davon
spricht, daß man Vater, Mutter und sich selbst hassen muß,
um sein Jünger zu sein. Wenn Gott ruft, hat Gott vorrang. Jesus hat
also Vorrang. Er ist der Löwe aus dem Stamm David. Und schon Amos
erlebte, was es heißt, von Gott berufen zu sein:
Am 3,8 Der Löwe brüllt, wer sollte sich nicht fürchten?
Gott der HERR redet, wer sollte nicht Prophet werden?
Das die Toten Tote begraben ist ein hartes Urteil über die Menschen,
die an ihrer Berufung vorbeileben. In diesem Sinne gibt es strenggenommen
kein Vorbeileben. Entweder man lebt in der Berufung durch Gott, oder man
lebt eigentlich nicht. Wer zurückblickt auf das, was er zurückläßt,
hat noch nicht erkannt, was er empfängt. Das Leben in der Nachfolge
Jesu ist eben gerade kein aufbessern des bisherigen Lebens. Es ist mehr
als nur ein Bemühen, es in Zukunft besser zu machen. Ein Leben in
der Nachfolge Jesu bedeutet letztlich einen Bruch mit dem bisherigen Leben.
Dort, wo man Jesus nachfolgt, beginnt etwas ganz neues. Ein neues Leben.
Hier liegt aber auch die Gefahr. Wer in der Bibel den Hebräerbrief
liest, wird feststellen, daß dort an Menschen geschrieben wird, die
zurückblicken. Menschen, die sich fragen, was es ihnen gebracht hat,
Nachfolger Jesu zu werden. Der Schreiber dieses Briefes lenkt dabei den
Blick aber gerade weg von dem Alten und führt Jesus neu vor Augen.
Hier, allein bei Jesus, liegt die Orientierung, der Sinn und das Ziel.
Joh 14,6 Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und
das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.
Deshalb ist es gefährlich, auf das alte Leben zurückzublicken,
wenn man dabei Jesus aus den Augen verliert. Wenn dann die Orientierung
verloren geht, übernehmen schnell Zwänge und Trott die Richtungsweisung
und man schwimmt wieder mit und driftet ab. Dann bleibt nur erneute Umkehr
und ein neues Ausrichten an Jesus.
Lk 9,62 Jesus aber sprach zu ihm: Niemand, der seine Hand an den Pflug
gelegt hat und zurückblickt, ist tauglich für das Reich Gottes.
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