Lk 5,33 Sie aber sprachen zu ihm: Die Jünger des Johannes fasten
oft und verrichten Gebete, ebenso auch die der Pharisäer; die deinen
aber essen und trinken!
Lk 5,34 Jesus aber sprach zu ihnen: Könnt ihr etwa die Hochzeitsgäste
fasten lassen, während der Bräutigam bei ihnen ist?
Lk 5,35 Es werden aber Tage kommen, und dann, wenn der Bräutigam
von ihnen weggenommen sein wird, in jenen Tagen werden sie fasten.
Das Fasten war ursprünglich wahrscheinlich Bestandteil der Totenklage
(z.B. in 2.Sam 1,12). Generell wurde als äußeres Zeichen der
Trauer gefastet, z.B. auch wenn einem die eigene Schuld bewußt wurde
und man sie bereute, also Fasten als Zeichen der Buße (2.Sam 12,16).
Ein weiterer Fastengrund war, für Gottes Offenbarungen ganz nüchtern
und aufnahmebereit zu sein (z.B. 2.Mo 34,28). Immer öfter jedoch wurde
Fasten als religiöse Leistung angesehen, um bei Gott etwas vorweisen
zu können. Dagegen haben sich schließlich auch Propheten gewandt
(Jes 58,3ff).
Was erwarten wir von einem Christen? Daß er immer mit Trauermiene,
zugeknöpft und ohne jede Art von Humor an der Verdorbenheit dieser
bösen Welt leidet? Jesu Jünger fasteten nicht. Warum auch? Um
Gott mit dieser religiösen Übung zu beeindrucken? Jesus wendet
sich nicht gegen das Fasten, aber Fasten hat bei Jesus immer eine konkrete
Ursache. Jesus selbst wurde vom heiligen Geist in die Wüste geführt,
wo er vierzig Tage lang fastete. Er suchte die Stille und das Fasten, um
sich ganz auf seinen Vater zu konzentrieren. Aber einfach zu fasten, weil
es sich für einen frommen Juden so gehört, das akzeptierte er
nicht. Gott ist nicht der, der Gefallen daran hat, wenn wir für ihn
leiden. Sicher kann ein Leben als Gesandter Gottes auch viel Leid beinhalten,
aber dieses Leid ist im besten Fall (am häufigsten leiden Menschen, weil sie und andere die gut gemeinten Ratschläge Gottes ignorieren) gerade mal ein notwendiges Übel,
das schließlich auch ein Ende finden soll. Jesus wurde nicht bestialisch
am Kreuz geschlachtet, weil das einem sadistischen Gott so gefällt,
sondern weil es keinen anderen Weg gab. Jesus betete (Mt 26,39): "Mein
Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber!
Doch nicht wie ich will, sondern wie du <willst>."
Wenn die Jünger alleine sind, haben sie genug Grund traurig zu
sein. Wenn sie dann fasten, ist das nur verständlich. Aber solange
Jesus bei ihnen ist, soll ihr Leben wie ein Hochzeitsfest sein. Statt zu fasten, feiern Jesus und seine Jünger mit einem Zöllner (siehe letzte Andacht). Jesu Antwort
ist eine deutliche Absage an manche, auch heute noch hochgehaltene Leidensmystig.
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